-Gleiten (ab 10knoten Wind?) Ja, nicht umsonst auch auf dieser Seite an erster Stelle. Denn vielen blieb bisher der spontane, bahnbrechende "Glücksjubler" auf alle Ewigkeit versagt. Muss er aber nicht! Wenn nur noch die Finne durchs Wasser zischt und die Wasseroberfläche hart wie Beton zu sein scheint, ... einfach unbeschreiblich. Dieser "Gleitzustand" ist definitiv die Voraussetzung aller anderer, coolen Manöver die man heutzutage aufs Wasser zaubern kann.
Stell Dir vor: Du hast Dir erst letzte Woche das neueste, teuerste und mit den besten Testnoten veredelte Surfmaterial zugelegt, bist gerade bei 3-4 Bft. auf dem Teich "stehst" im wahrsten Sinne des Wortes schon fast mit den Füßen in den Schlaufen, der Trapezhaken scheuert in den Tampen und Du fragst dich immer noch: ? Wieso war da eben einer weit hinter mir, .... kam an mir vorbeigeschossen, ....circelte gerade 200m vor mir eine perfekte Duck-Jibe um die Boje vom bewachten Badestrand ....und jetzt kommt der Typ mir schon wieder mit Fullspeed entgegen? Falls Du derjenige sein solltest, dem das irgendwie bekannt vorkommt..? , Hier werden Sie eventuell geholfen.
Ok. das Material spielt natürlich eine Rolle. Mit einem 15 Jahre alten und 15kg schweren Klepperboard aus PE, dazu noch mit ausgeklappten Schwert kann niemand mehr ins jubeln kommen. Allerhöchstens deine Bandscheibe. Je nach Körpergewicht ist ein Surfboard mit + - 125l Volumen optimal. Darauf das passende Segel und dann kann es schon losgehen. Ein Sitz- oder Hüfttrapez solltest du auch umschnallen, denn wenn dein Haken erst mal auf Kinnhöhe hängt ist es meist zu spät. (alles schon beobachtet!) Früh los gleiten geht nur mit Trapez! ... doch dazu steht etwas weiter unten genaueres. Die Gabel bitte mindestens auf Schulterhöhe montieren, und die gespannte Länge der Trapeztampen ca. 5cm kürzer als deine Unterarme (von Ellenbogen bis Mitte Handfläche) einstellen. Dadurch bist bist du jetzt, wenn du dich ,,einhängen" willst, gezwungen so etwas wie einen ,,Klimmzug "an der Gabel zu machen! .. doof oder denkste jetzt?
Zuerst sollte erwähnt werden, das rein von alleine auch mit bestem, optimalen Material bei 3-4 Windstärken noch gar nix passiert. Andere gleiten um dich rum und selber gurgelt dein Board immer noch wie eine unbetankte V1 durch das Wasser. Selber schuld, denn du wartest nur ... auf ein Wunder? wird aber nicht kommen, stattdessen solltest du aktiv werden. Wer was erreichen will müsste ab und zu mal "ne Kuh umschmeißen" , oder zumindest probieren, denn es wird nicht beim ersten Versuch gelingen. Spaß beiseite und leicht auf Raumkurs steuern, dies erleichtert den Angleit vorgang erheblich. Am wichtigsten ist nun: Brett flach halten, dazu mit deinem eigenen Gewicht Druck auf den Mastfuß bringen, also im Bereich vor den Schlaufen zentral auf dem Board stehen. In dem Moment wo du das Gefühl hast, das dich eine winzige Welle etwas "anschiebt" solltest du mal schnell dichtholen, und wieder auffieren, und das selbe nochmal, Man nennt das auch "pumpen" (...nicht pimpen oder pimpern?) das ganze drei viermal und dann sofort ins Trapez einhängen und mindestens einen Fuß schon mal in die Schlaufe. (der vordere zuerst geht besser)

...was jetzt passiert ist schlichtweg sensationell. Fast jedes Surfboard senkt ehrfurchtsvoll seine Nase und gleitet übers Wasser. (nicht durchs Wasser). fast automatisch machst du einen Schritt rückwärts und siehe da, schon müssen die Füßle in die Schlaufen. Deine Pfunde hängen im Tampen, geben somit richtig Druck auf besagten Mastfuß , dein drittes Bein und gleichzeitig wird das Heck deines Boards entlastet. Deine Fußsohlen kommen sich ungeheuer erleichtert vor und dein Speed ist auf einmal, ...ja eben unbeschreiblich. Ein mit etwas Angst gemischtes, ungewohntes, aber seit langem heiß ersehntes Glücksgefühl wirst du spüren. Der eine oder andere Schleudersturz kann dir noch widerfahren, aber Dir ist alles egal, denn spätestens jetzt bist du einer jener unheilbar Süchtigen, die nur eines wollen : more Wind denn von nun an bist du eins mit Wind, Wasser und Wellen ...aber jetzt mußt du langsam wieder ans anluven denken, um die paar Meter Höhe, welche du beim angleiten verloren hast mal locker hoch zu gleiten :-)
Die weit verbreitete Meinung das nur "Hungerhaken" unter 60kg bei 10kn losgleiten dürfen, ist spätestens seit Einführung der modernen breiten Boardshapes und der Großsegel bis über 10qm auch zur simplen Ausrede geworden. Schwerere Surfer(innen) müssen halt leider den Gewichtsnachteil durch entsprechend größeres Material ausgleichen, was wiederum bei wenig Wind weniger schwer fallen dürfte. Surfprofies wie B. Dunkerbeck oder A. Albeau bringen so um die 100kg auf die Waage, und gleiten dennoch ab unteren 4bft. los. tja,... Profies sind halt auch nur Menschen wie du und ich, deshalb kannst du es auch lernen!
-Trapeztechnik:
Grundsätzlich beachten!!! Erst mit die Füße in die Schlaufen, dann ins Trapez, nie umgekehrt! Wenn man das beachtet, bleiben einem viele schmerzhafte oder Material schrottende Schleuderstürze erspart. Das Surfen im Trapez dient nicht hauptsächlich der Entlastung der Oberarme, sondern ist nötig um das Körpergewicht besser und direkt auf den Mastfuß zu übertragen. Wieso das ??? Der Mastfuß verbindet nicht nur Segel und Board, er ist auch gleichzeitig dein "drittes Bein" und verleiht Dir die nötige Stabilität beim gleiten! ... oder hat schon mal jemand einen dreibeinigen Tisch kippeln sehen? Für den Anfang empfehle ich ein Hüfttrapez! Je höher der Haken anfangs hängt. desto weniger haut es einen auf die Fresse. Beim Einhängen anfangs darauf achten das man das Segel trotzdem mit beiden Händen fest im Griff hat. Nur langsam den Tampen unter Zug setzen. Durch ruckartiges heranziehen der Segelhand und gleichzeitiges Anheben der Fersen sollte man jederzeit schnell wieder "rauskommen". Klappt das nicht mehr gibt’s die berühmt berüchtigten Schleuderstürze. Zusatztipp: Es ist ja irgendwie ,,trendy" die Schlaufen so weit wie möglich hinten zu montieren, bringt aber anfangs nichts, denn wenn der Wind nicht einigermaßen gleichmäßig daherkommt bekommst Du garantiert Probleme in den Windlöchern. Dein Board wird mit der Spitze in den Wind drehen und das Heck wird mit Dir gemeinsam absaufen wollen. Wenn Du dann gar noch eingehängt bist ist meist alles zu spät. Du fällst nach hinten um wie vom Blitz getroffen und mit Sicherheit bleibt dein Segel genau über deiner Eintauchstelle liegen. Manch einer soll da schon die Panik unter Wasser bekommen haben. Das gilt natürlich besonders für uns Binnengewässersurfers. Also gilt für alle Teilzeitgleiter: Schlaufen so weit als möglich nach vorn, dann ist die Chance einen Windaussetzer durchzurutschen allemal größer.